Förderung für die freie Szene Ziel erreicht
Feb 082010

Sonntag 21. Februar 2010 – 11:00 Uhr

Nationaltheater Mannheim,
Schauspielhaus Freie Szene & Nationaltheater
laden ein zur Diskussion
KULTUR BRAUCHT VIELFALT
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Wir freuen uns auf die Diskussion

Wie kann die Vielfalt der Kultur und die „Freie Szene“ gesichert und ausgebaut werden? Was steckt hinter dem Begriff „Freie Szene“ und was hat sie mit dem Nationaltheater und den etablierten Kultureinrichtungen zu tun? Ist Kultur ein verzichtbares Sahnehäubchen oder elementarer Bestandteil einer Stadt die Zukunft haben will? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Vertreter des Nationaltheaters und der Freien Szene erstmals in einer gemeinsamen Veranstaltung.

Podium:

  • Regula Gerber, Generalintendantin Nationaltheater Mannheim
  • Burkhard C. Kosminski, Schauspieldirektor Nationaltheater Mannheim
  • Sascha Koal, Theater im Felina-Areal und Vorstandsmitglied im Landesverband der freien Theater Baden-Württembergs
  • Barbara Hindahl, Helene-Hecht-Preisträgerin und Vertreterin des Aktionsbündnisses freie Szene Bildende Kunst Mannheim
  • Gabriele Oßwald, Zeitraum Exit Mannheim

Moderation: Rita Böhmer, artmetropol.tv

Flyer als PDF

3 Antworten to “Podiumsdiskussion Nationaltheater”

Kommentare (2) Pingbacks (1)
  1. Jiri Platzer sagt:

    Sehr treffend analysiert und refferiert. Man fragt sich doch ab welcher finanziellen Größenordnung Kultur erst als Kultur anerkannt wird. Ich denke wenn man als Freier bildender Künstler einmal an Sitzungen zur Budgetierung und Gelderverteilung teilnimmt wird man sein Gehör und Augenlicht verlieren.
    Man muß doch annehmen das die eigenen bescheidenen Forderungen die Größenordnung eines Bettlereinkommens vor Lidl am Marktplatz hat und deswegen die Verantwortlichen aus einer Mischung aus Scham und Abscheu an einem vorbeisehen.

  2. Brent sagt:

    Hier nachfolgend ein längerer Kommentar aus meiner, subjektiven Sicht zu obiger, von mir am Sonntag, dem 21.02.2010 besuchten Veranstaltung im National-Theater.

    Meiner Ansicht nach präsentierte sich die Veranstalter in einer geschickt inszenierte Runde, in der hauptsächlich bereits bekannte Positionen vertreten wurden und in einem am Geldwert ortientierten Gehorsam, die zwar tragisch anskizzierte, aber höfliche Übereinkunft bekundet wurde, mit der Gnade der Geldgeber weiterhin konform zu gehen. Und weiterhin die Kultur-“Szene“ in einer Richtung zu lenken, die vorgegebene Muster nicht verlassen werde. Es wäre einigen sicher mehr als recht, wenn Mannheim auch 2020 weiterhin diesem vorhersehbaren Kultur-Zerr-Bild entsprechen würde?

    Wir trafen uns also zu dieser Veranstaltung in großen und angenehm beheizten Sälen. Am Eingang war ich kurz verblüfft, da „gratis“ Eintrittskarten ausgegeben wurden, zur statistischen Erhebung, so sagte man mir. Das große Dampfer, Nationaltheater zum austragenden Ort dieser Podiumsdiskussion auserkoren, vermochte gleichsam zu beeindrucken und einzuschüchternd?
    Indiz oder auch Indikator seiner erschreckenden Machtfülle und Ausdehnung, die er ebenfalls an vorderer Stelle im Haushalt der Mannheimer Kulturfürderung beansprucht?

    Eine recht große Zahl von Zuhörern hatten sich an diesem Sonntag vor Ort, im Saal eingefunden. Auf der nicht dekorierten Bühne saßen, dezent minimalistisch arrangiert, die angekündigten Podiumsteilnehmer, fast sämtlichst Bühnen-Vertreter, Direktoren und Chefs der darstellenden Künste also. Nur eine ziemlich „isolierte“ Fürsprecherin der „freien Szene“, die freie Künstlerin Barbara Hindahl, war als einsame Gesprächsteilnehmerin anwesend. Sie saß dort zugelassen als Vertreterin der äußeren und freien, einer nicht so perfekt organisierten und nicht mit opulenten Mitteln ausgestatteten Kulturwelt. Die Diskutanten waren eingerahmt von zwei Moderatorinnen, von denen besonders eine, Frau Böhmer, mit bisweilen streng eingreifenden und nur mühsam nachvollziehbaren Bemerkungen und Hinweisen hervortrat. Ihr war jedoch, bald erkennbar, extrem daran gelegen , ein von wem auch immer vorgegebenes Timing einzuhalten (immerhin trafen wir uns am „freien“ Sonntag) und so war sie offensiv darum bemüht, die Diskussionsrunde schneidig auf eine haarscharf kalkulierte Stunde zu begrenzen. Dabei hätte sie im Geschwindigkeitsrausch, nach der schnell verstrichenen Stunde, beinahe in hoch professioneller, etwa an begrenzten Sendezeiten geschultem Eifer, im Alleingang sozusagen die Veranstaltung für beendet erklärt, ohne eine notwendige und wünschenswerte Diskussion mit dem anwesenden Publikum zu erlauben.

    Glücklicherweise kam es trotzdem noch zu dieser nachträglichen Aussprache mit interessierten Fragestellungen und Anmerkungen aus dem Publikum. Dazu mehr nach einem Kurz-Überblick zu für mich relevante, besprochenen Thema und Aussagen der versammelten Teilnehmer an dieser Podiumsdiskussion.

    Burhart C. Kosminski ganz links sitzend, hielt sich seiner Position angemessen, geschickt und dezent im Hintergrund und beantwortete nur einige allgemeine Fragen. In einer seiner Stellungnahmen versuchte er etwa anschaulich darauf hinzuweisen, warum das Schiff Nationaltheater kaum über Möglichkeit verfüge, trotz seines kostspielig-voluminösen Apparats, gezielter mit etwaigen Produktionen in den städtischen Lebensraum, außerhalb der eigenen Mauern vorzudringen. (so wird also ein rein finanziellen Aspekten untergeordneter „Spielraum“, sogar zu einer „Last“, …)

    Das könnten doch eher die kleineren Bühnen leisten, ließ er anklingen, welche flexibler disponieren und weniger darunter „zu leiden“ hätten, wie bestens ausgestattete Apparate, die nur noch an Ergebnis-orientierten Einspielerfolgen ausgerichtet und gemessen würden.
    (Diese Worte verhallten Mitleids-erregend im Raum und ich beglückwünsche die kleineren Bühnen zu ihrem sachdienlichen Umgang mit sorgsam einschränkenden Mitteln und ob ihrer sich daraus ergebenden immensen Möglichkeiten, Kreatives im breiten Licht der Öffentlichkeit, in Hinterhöfen und anderswo inszenieren zu dürfen.Könnte dabei die „großen Theater“ dem kleinen Theater nicht etwa helfen, leider nicht(?), da sie im etablierten Kontext der allgegenwärtigen Konkurrenz gegeneinander stehen,..!?)

    Ein ähnlicher Tenor klang ebenfalls herüber, in einigen Wort-Kommentaren von Sascha Koal, dem Theater- Landesverbandsvorsitzenden, der sich ebenfalls bemühte, ausgiebig über die eingeschränkten, aber zuversichtlich dargestellten Möglichkeiten der freien Theaterszene in Mannheim und Berlin zu referieren. Auch er versuchte alsbald Mitleid zu erregen, indem er darüber berichtete, wie die an freien Bühnen engagierten Schauspieler, oft nur für ein Drittel der ihnen eigentlich „zustehenden“ Honorare, trotzdem noch zu arbeiten bereit wären. (Dies Ist ja bereits wie in der Wirtschaft draußen,.und keiner beklagt sich darüber.?) Wovon diese Menschen sonst noch leben und ihren Unterhalt bestritten, wurde nicht beantwortet. So sei die Lage der Theater und Bühnen, seiner Aussage nach, ebenso schwierig und brisant, man versuche oft mit geringeren Mitteln, als etwa das prächtige National-Theater, vielschichtige Produktionen umzusetzen. Hr. Koal betonte die wichtige Aufgabe der Kulturvermittlung unter anderen Voraussetzungen, die kleinere Bühnen sich zur Aufgabe gemacht hätten.

    Leider wurde in diesem Zusammenhang, ebenso wie in der anschließenden, gemeinsamen Diskussion völlig übersehen zu präzisieren, wie denn in einem Satz der Einladung von G. Fontagnier formuliert, die Kultur auszusehen hätte, die eine Stadt angeblich bräuchte, um „Zukunft“ zu haben? Welche? Frage, die man vergaß zu stellen auch ich schließe mich dabei ein, war ich etwa ebenso eingelullt von der Atmosphäre der vermeintlich „sachlich“ und im freundlichen Einvernehmen aller Teilnehmer geführten Diskussion?

    Bon, Regula Wagner, in der Mitte des Podiums thronend, ihrer Funktion entsprechend, antwortete gelassen und fast schon mit der Routine von Berufspolitikern auf die anmoderierten Fragen. Sie unterstrich, majestätisch lächelnd, die hohe Verantwortung die sie in ihrer Position zu tragen hätte.
    Allgemein wurden von ihr leider kaum konkretere Bezüge zur freien Szene hergestellt, der sie zumindest ebenfalls gnädig zu gestand, das diese ungebundener agieren könne, da freigestellt von den finanziellen Verpflichtungen und Vorgaben, nicht von den arg einschränkenden Verlockung zum Kassenerfolge genötigt zu sein.

    Barbara Hindahl, freie Künstlerin vertrat ziemlich allein in dieser Show der Bühnengrößen, die bescheidenen Interessen einer freien Kunstszene, die nicht an Budgets gebunden, eher im freien Umgang mit diversen, minimalistischeren Möglichkeiten versuche, ihre Ziel zu verfolgen. Barbara Hindahl betonte zudem, das sie von etwaigen Fördermitteln keine Einschränkungen erwarte, sondern eher die Wahrnehmung der Möglichkeit in bescheidenen Verhältnissen etwas flexibler gestalten könnten, was Ateliers und Räume für freie Künstler angehe. Sie nannte einige Beispiele aus der freien Kunstszene im Ruhrgebiet, in Dortmund etwa, der es es gelungen war, mit bescheidenen Mitteln versorgt, interessante und bemerkenswerte Erfolge zu erzielen.

    Die letzte in der Reihe der Podiums TeilnehmerInnen war Gabriele Oßwald. Sie berichtete aus ihrer künstlerischen Erfahrung und von der absoluten Wichtigkeit, sich auf diverse Prozesse einzulassen und nicht nur auf Gebäude und betonte damit das manchmal brachliegende Ideenpotential der Künstler. Sie sprach von Profilen, die Künstler erstellen müssten, um mit deren Hilfe etwaige Geldgeber und ebenso ein Publikum zu überzeugen. Ihre Vorschläge klangen grundsätzlich vernünftig und eher dem Horizont freier (ärmerer) Künstler angemessen. Nur frage ich mich, wieso sie dann leider ebenfalls in das Jammertal sackte, als sie sich darüber beklagte, das die von ihr vertretene Organisation „Zeitraum-Exit“ mit einem kargen (?) Jahresbudget von „lediglich“ 95.000 EUR aus zukommen habe, ihr in Erwartung einer Bewilligung dieser Summe, darob der Po brennen würde? Wo doch schon auf der CAP Webseite ein Artikel des MM vom 28. Januar 2010 einzusehen war, in dem der Mannheimer Kultur-Bürgermeister sich „definitiv“ bereit erklärt hatte, die Finanzierung des „Zeitraum-Exit“ sogar für 2011 und 2012 zu sichern. Also wieder einmal plakatives Jammern auf „hohem Niveau“, oder Dankbarkeitsbekundungen?

    Die nachfolgende Diskussion mit dem Publikum nutzen diverse Vertreter des Mannheimer Gemeinderats leider ausgiebig zur persönlichen Profilierung, meist ohne inhaltlich irgendwelche präziseren Fragen zu formulieren. Eine Abgeordnete der Grünen, zeigte sich besonders uneinsichtig, da sie es als notwendig erachtete, das sich in ähnlichen Podiumsdiskussionen auch die Politik wieder mehr einzumischen habe.
    (Ja wo denn noch überall mitmischen, frage ich mich da? Die professionelle Politik bestimmt doch schon relativ flächendeckend über die Geschicke aller Bürger und muss sich diese nun, gemäß den Wünschen einer omnipräsenten „Grünen Aktivistin“, ebenfalls in jeden Moment der etwas freieren Ideenfindungen, der erweiterten Kunstszenen einmischen, um diese etwa nach ihrem Gusto zu lenken? Profilneurose etwa?)

    Ein versprengter freier Künstler, der sich in seiner Wortmeldung sogar noch für verrückt erklärte, hob sich angenehm vom beflissenen Einerlei der bisweilen konformen Wortmeldungen ab, er sprach in markigen Worten von seinem persönlichen Schicksal. Ein Journalist uferte noch etwas aus, in seiner Frage die zu einer Ansprache wurde und ein unbenannter Theatermann fand es darauf wunderbar, das freie Theater seiner Ansicht nach, wieder Kontakt „zum Publikum an der Kasse“ hätten.
    Die Moderatorin trat zum Abschluss, wenig moderat , wieder in Lenkung und Leitung der Diskussion geschickt obstruierend in den Vordergrund, als sie beispielsweise auch in der erweiterten Diskussionsrunde Fragen der Zuhörer einsammelte, die sie danach geschickt und professionell so gut klein redete, das manche der gestellten Fragen gar nicht mehr vom Podium beantwortet werden konnten.
    Abschließend bot Fr. Böhmer, optimistisch lächelnd, die Möglichkeit zu einer weiteren Aussprache im Foyer an, zu der es so leider nicht kam, zumal nach einigen Minuten bereits die Lichter in dieser Vorhalle abgeschaltet wurden. Eine weitere Diskussion wurde eventuell aus Sicht der Organisatoren sicher (?) nicht als zwingend notwendig erachtet?.
    Alles war ja bereits „verkündet“ worden und sollte in den Mitteilungen der eingeladenen, offiziellen Presse darüber, sicher einen wohlmeinenden Widerhall finden!?

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