Barcamp zur Kreativregion Rhein Neckar SPD besteht weiter auf Kulturbeirat
Mrz 182010

Artikel vn heute, den 18. März 2010 im Mannheimer Morgen:

KREATIVER DURCHLAUFERHITZER
Von Redaktionsmitglied Annika Wind

Kultur kostet Geld – und mehr Kultur kostet mehr. Der Meinung waren in den vergangenen Monaten vor allem Mannheims Künstler, die monatelang für mehr Geld protestierten – mit Erfolg: Nach langen Diskussionen stockte der Gemeinderat den Etat für die Freie Szene um 475 000 Euro auf-135 000 Euro davon gehen an die bildende Kunst.
Doch was sollte man nun mit diesem Geld finanzieren? In einer Petition der Freien Kunstszene hatte es im vergangenen Jahr vor allem eine Forderung gegeben: Die Kunst braucht in Mannheim mehr Raum. Mehr subventionierte Ateliers und Ausstellungsmöglichkeiten, auch eine Alternative zur Stadtgalerie in E 5. „Es müsste mehr Ateliers wie die in der Sternwarte geben”, sagt etwa die Künstlerin Ruth Hutter. Ihr wäre aber vor allem eine individuelle Projektförderung wichtig – ein Punkt, den einige Künstler vertreten. Der Maler Andreas Wolf etwa wünscht sich eine „punktuelle Förderung von Ausstellungsräumen” – schließlich plant er eine Neuauflage der Produzentengalerie Peng. Und der
Schmuckkünstler Andreas Zidek will Unterstützung bei der Finanzierung von Katalogen – nicht zuletzt in seiner „Strümpfe”-Galerie. Kocht in der Freien Kunstszene am Ende also jeder sein eigenes Süppchen? Ja und nein. Einige Künstler wären durchaus bereit, sich für ein Künstlerhaus einzusetzen, das Ateliers und Ausstellungsmöglichkeiten unter einem Dach vereinen könnte. Das schließt natürlich nicht aus, dass sie auch eigene Projekte finanziert haben wollen. „Ein Kunsthaus wäre nur sinnvoll, wenn es mit Anspruch geplant wird”, sagt Zidek, der Künstler gern unter einem Dach mit Institutionen der Kreativwirtschaft sähe.
Kunst in der Kofferfabrik
Auch die Malerin Rebekka Brunke könnte sich vorstellen, sich an einem Kunsthaus zu beteiligen – „aber nur, wenn man es professionell aufzieht”. Vorteile hätte solch eine Einrichtung in jedem Fall, das zeigen Beispiele aus anderen Städten. In Dortmund hat man subventionierte Ateliers und Schauräume in einem Zechengebäude untergebracht. Auch in Stuttgart funktionierte man einen Industriestandort, eine Kofferfabrik, um. Leerstände dieser Art
gäbe es in Mannheim zuhauf. Getragen werden diese Künstlerhäuser in beiden Städten von Vereinen, die externe Kuratoren engagieren – für ein unabhängiges Ausstellungsprogramm. Wichtige Voraussetzung: Die Künstler des Hauses zeigen selten sich selbst und legen Wert auf Impulse von außen.
„Ein Künstlerhaus kann wie ein Durchlauferhitzer für die Freie Szene sein”, sagt Christoph Tannert, der das Fotofestival in Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen kuratier-te und heute das Künstlerhaus Bethanien in Berlin leitet. Bereits 2007 hatten die Kuratorin Stefanie Müller und der Kunsthistoriker Werner Marx der Stadt ein Konzept für ein Mannheimer Kunsthaus vorgelegt. Damals war man sogar schon auf Standortsuche gegangen. Ein Punkt blieb jedoch ungeklärt – die Finanzierung. „Wer ein Kunsthaus will, muss investieren”, sagt Tannert. 1,5 Millionen Euro, so schätzt er, brauchte es für Personal, Ateliers und ein internationales Programm. „Mit 135 000 Euro lässt sich kein Haus von internationalem Rang auf den Weg bringen.” Aber zumindest lassen sich in nächster Zeit einige Projekte der Freien Szene fördern.

3 Antworten to “Der Etat der Freien Kunstszene wurde aufgestockt – wofür sollte man ihn jetzt ausgeben?”

Kommentare (3)
  1. Jiri sagt:

    Ist doch wieder mal klar wie das laufen soll. Lasst Beamte und Staatsdiener ran, die kriegen den Etat schon klein. Was dann noch übrig bleibt bekommen die Künstler die sowieso schon etabliert sind.Der Rest glotzt staunend und ungläubig. Habe nichts anderes erwartet.

  2. Fritz Stier sagt:

    Hallo Brent … völlig richtig!
    Fritz Stier

  3. Brent sagt:

    Interessanter Kontext, aber warum nicht alles mal etwas “autonomer” und eine bis zwei Nummern kleiner? Müssen es gleich 1,5 MIO für ein Künstlerhaus sein? Darunter geht nichts? Etwa Konkurrenz zur Kunsthalle oder so etwas?

    Bleibt mal auf dem Teppich, auch mir peripher bekannte Erfahrungsberichte zur “autonomen” Galerie-Projekten, wie “PENG” oder der schon “vergessenen” “Heart Gallerie”, haben doch gezeigt, das es mit “weniger” ebenfalls geht. Etwas mehr für Aufwand, Räume und technische Ausstattung etwas mehr finanzielle Sicherheit für Leute die sich “kümmern” und organisieren in Ehren, aber drum herum wieder einen Wasserkopf an besoldeter Verwaltung aubauen”? (eventuell mit einem „Maserati” als Dienstfahrzeug wie letztens bei der Arbeitslosenhilfe in Berlin??)

    Wenn gewisse “Kräfte” in Mannheim hier ihr “ganz großes Ding” wittern und “aufziehen” wollen, dann sollen sie, professionell wie sie doch sind, eben Fördergelder akquirieren, wie´sie das sicher gut und “professionell” bereits können. Und nicht an Gelder der “freien” Szene nagen, die sich damit ein klein bisschen “mehr Freiheit” gönnen will!

    Schaut doch Leute an wie den Fontagnier mit seinem Café Projekt, der hat das auch mit relativ wenig Geld hinbekommen, etwas Ähnliches! Etwas Anderes und weniger “kommerziell” orientiertes, ist doch sicher mit dem kreativen Potential befähigter Menschen in Mannheim auch möglich zu realisieren?

    Warum fragt ihr denn nicht mal Barabara Hindahl, die auf der Podiumsdiskussion im National-Theater interessante Projektansätze zu Künstlerhäusern aus dem Ruhrgebiet, Dortmund, etc. angerissen hat?

    Und autonom sein heißt auch deshalb “autonom”, weil darin auch mal andere und unbekanntere Leute etwas organisieren möchten und Ideen einbringen und nicht immer die gleichen, die darin etwa ihren Lebensstil erkennen und eventuell dann “Manager-Attitüden” (s.o.) entwickeln, oder gar meinen, ohne sie und ihr “ungeheures Know-How”, bei entsprechender Entlohnung (?), geht nichts mehr vor Ort?

    Was sagt denn Fritz Stier, die Ikone der freien Szene in Mannheim, ich werde seine, zur Galerie umgestalteten Laden “Art-Now!”, damals in der Langstr. nie vergessen.

    Und dieses ganze Gehabe von “professioneller” Gestaltung und Umsetzung der Kunstaktivitäten, gut und schön! Aber die gesamte freie Organisationsform der hier versammelten Künstler sollte sich doch einen Hauch der Freiheit einer “Szene” bewahren, die sich nicht etwa nur daran versucht, ganz weit hinten noch schnell, auf den abgefahrenen Zug des etablierten und ausgebufften Kunstmarkts aufzuspringen!? Ein Kunstmarkt, dessen verzerrte Attitüden und Verhaltensmuster, fälschlich als “professioneller Standard”, gläubig gesetzt, dann kopiert und zum Schaden einer noch “freien Szene” etwa, weiter verewigt werden sollen?

    Tja?

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