Der Etat der Freien Kunstszene wurde aufgestockt – wofür sollte man ihn jetzt ausgeben? RUDI BAERWIND-PREIS 2010
Mrz 232010

Kulturpolitik: Baltruschat zu Zuschüssen an freie Szene
Von MM-Redaktionsmitglied Peter W. Ragge

Die SPD pocht weiter darauf, dass künftig ein sachverständiger Beirat die Zuschüsse
an die freie Kulturszene verteilt. “Wir halten daran fest und warten auf einen
Vorschlag der Verwaltung, wie das zu realisieren ist”, so Stadtrat Peter Baltruschat,
der kulturpolitische Sprecher der Sozialdemokraten.
Die SPD hatte die Idee bei den Etatberatungen Anfang März eingebracht; bis zum am
Mittwoch tagenden Kuturausschuss steht das Konzept aber noch nicht fest. “Aber wir
erwarten, dass daran gearbeitet wird”, bekräftigt Baltruschat.
Das zwölfköpfige Gremium soll nach seiner Vorstellung aus Kulturpolitikern der
Fraktionen sowie Vertretern der großen Kulturinstitutionen wie Theater, Reiss-
Engelhorn-Museen und Kunsthalle ebenso bestehen wie der verschiedenen Genres
der freien Szene, von Theater über Musik bis zu bildender Kunst. Zudem wünscht sich
Baltruschat die Mitarbeit von “externen, kulturaffinen Beratern mit
betriebswirtschaftlicher Qualifikation”. So will er sicher gehen, “dass die Kommune
nicht in Bedrängnis kommt, Ausfallbürgschaften für eine unzureichende
Wirtschaftsplanung von Zuschussempfängern zu übernehmen”.
Sein Ziel ist nämlich klar: Er möchte, dass mehr Mittel in die freie Kulturszene fließen
- dass dies aber auch effektiv ausgegeben wird und die Szene sich daher einer
Kontrolle unterzieht. “Dafür bin ich angetreten: mehr Geld, aber nach klaren
Kriterien”, begründet der Künstler, warum er – als nach wie vor Parteiloser – auf der
SPD-Liste für den Gemeinderat kandidiert habe.
Zum Teil könne dies auch mit einem “Umbau und Rückbau” in dem Bereich
verbunden sein, in den bisher viele Zuschüsse gegeben würden: “Die
Verhältnismäßigkeit muss stimmen. Manchmal wird zu sehr aus dem Vollen geschöpft,
das kann träge machen”, meint Baltruschat: Wenn die komplette Mittelverteilung
auch an alteingesessene Institutionen der freien Szene auf den Prüfstand käme,
“kann dies einen Kreativitätsschub auslösen”, ist er überzeugt.
2,02 Millionen Euro bis 2020
Da habe aber nichts mit Einsparungen zu tun – im Gegenteil: Nachdem bei den
Etatberatungen die von der Verwaltung für die freie Szene vorgeschlagenen Mittel
von 475 000 Euro auf Initiative der SPD für 2011 bereits um 100 000 Euro
aufgestockt worden seien, wollen die Sozialdemokraten künftig jedes Jahr weitere
100 000 Euro draufsatteln – und so bis zum Jahr 2020 den symbolischen Betrag von
2,02 Millionen Euro erreichen.
Man könne der Idee von der Kulturhauptstadt 2020 “nur dann die nötige Breite
geben, wenn sie nicht nur durch die Kulturinstitutionen, sondern auch von unten, von
den freischaffenden Künstlern, getragen werde und es mehr Kooperationen gebe,
meint der SPD-Stadtrat.

Mannheimer Morgen
23. März 2010

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